Volontäre in der Medienhauptstadt zu Besuch

Drei Tage lang schauten sie Journalisten in Berlin auf die Finger: 13 Volontäre aus dem Privatradio haben die Medienhauptstadt Berlin besucht und die Arbeit in Redaktionen, Sendern und Politik kennengelernt. Die Medienexkursion ist zugleich der Preis für eine gute Ausbildung – die Sender der Volontäre waren zuvor mit dem Radiosiegel ausgezeichnet worden.

März 2019:

„Die klassischen Radio-Gewinnspiele kannst du in Berlin nicht mehr bringen, alles war schon mal da“ – bekommen die Volos bei 94,3 rs2 zu hören. Denn: Der Radiomarkt in Berlin gilt als einer der umkämpftesten Märkte Europas. Über 30 private und öffentlich-rechtliche Sender buhlen hier um die Gunst der Hörer: mit der besten Morningshow, mit der neuesten Musik – aber auch mit Informationen aus der Hauptstadt, aus der Politik und mit bunten Themen für Berlin. Für die Volontäre aus dem ganzen Bundesgebiet lieferte die Medienexkursion somit neue Einblicke in die Arbeit beim Radio.

So führte die Medienexkursion die Volos zu mehreren privaten Sendern – alle unter einem Dach: Berliner Rundfunk94,3 rs2 und Kiss FM arbeiten gemeinsam am Erfolg ihrer Programme. „Design Thinking“ ist hier das Stichwort: Was will der Hörer, der User wirklich? „Auf diese Weise ist dann ein Gewinnspiel entstanden, bei dem wir für fünf Jahre bei einem Hörer die Miete übernommen haben“, erklären Braun und Nitzschmann den Volos aus ganz Deutschland.

 

Die Medienexkursion führte die Volos auch ins rs2-Studio – die arbeiten mit dem Berliner Rundfunk und Kiss FM unter einem Dach. (Bild: Jonas Schramm, Medienhaus)

Hauptstadt-Journalismus zum Anfassen

Die Volontäre durften auch Deutschlands erfolgreichstes Boulevard-Blatt besuchen. Wer mit der BILD den Fahrstuhl nach oben fährt, fährt mit ihr auch wieder runter, heißt es. Das größte deutsche Boulevardblatt hat bereits einige Karrieren – sogar die von Ex-Bundespräsident Christan Wulff – beendet. Hinter den Kulissen von BILD konnten die Radiovolos erfahren, wie mächtig die Zeitung wirklich ist und wie sie sich am digitalen Markt schlägt. Letztlich gehört die Lektüre der BILD-Zeitung immer noch für jeden Radiomoderator morgens ganz selbstverständlich dazu – denn hier kommen die Themen vor, die die Menschen bewegen, ganz genauso wie im Privatradio. Im Gespräch mit BILD-Redakteur Timo Lokoschat geht es dann um Fragen der Digitalisierung, denn die gedruckte Zeitung wird es so nicht mehr lange geben, da sind sich selbst die Macher der BILD-Zeitung sicher.

In einem Gebäude des Bundestags mit beeindruckendem Blick auf Berlin trafen die Volontäre später auf die andere Seite: die Hauptstadt-Politik. In einem Hintergrundgespräch mit Stefan Krabbes, Büroleiter des Grünen-Abgeordneten Gerhard Zickenheiner, sprachen sie über Politikverdrossenheit und wie Medien mit Populisten umgehen können. Auch die bevorstehende Europawahl war Thema. Zugleich stand das Bundespresseamt auf dem Besuchsprogramm der Volos – hier lernte der journalistische Nachwuchs im Radio die Arbeit von Steffen Seibert und seinem Team kennen.

Vor beeindruckender Hintergrundkulisse im Gespräch mit Stefan Krabbes, Büroleiter des Grünen-Abgeordneten Gerhard Zickenheiner. (Foto: Jonas Schramm, Medienhaus)

Hinter den Kulissen von TV

Einen interessanten Blick über den Tellerrand bekamen die jungen Radiomacher aus ganz Deutschland beim Besuch des RTL Hauptstadtstudios. Thomas Berding, CvD der Politikredaktion, erklärte die schnelle aktuelle Arbeit vor und hinter der Kamera: Im Studio auf dem Dach laufen die Sendungen, vor dem Green Screen ein paar Etagen tiefer wird produziert. Das RTL Hauptstadtstudio macht Programm für alle RTL-Kanäle und liefert zugleich die Nachrichten aus der Hauptstadt für n-tv.

Spektakulär gestaltete sich auch der Besuch der RBB-Abendshow: Die Volos aus ganz Deutschland waren Teil des Publikums der Live-Sendung, die der RBB donnerstags um 20.15 Uhr ausstrahlt. Gast der Sendung war auch die Influencerin, Bloggerin und Journalistin Ronja von Rönne. Sie ist unter anderem bekannt durch ihr digitales Sudelheft.

Von Pressefreiheit bis zur journalistischen Zukunft

Am letzten Tag der Medienexkursion nach Berlin lernten die Volos die Arbeit des Deutschen Journalistenverbands DJV kennen. Bei der Gewerkschaft für Journalisten trafen die Volontäre auf Frank Überall, Bundesvorsitzender des Deutschen Journalistenverbands. Er sprach mit den Volos über sein spontanes Statement für den Deutschlandfunk zum abrupten Ende eines Interviews mit DFB-Präsident Grindel. Zugleich erfuhren die Volos, wie sie sich in der Medienszene am besten vernetzen – und wie es für sie nach dem Volontariat weitergehen kann.

Radiosiegel an 18 private Radiosender verliehen

Das Radiosiegel haben im vergangenen Jahr 17 private Radiosender aus ganz Deutschland erhalten – das Siegel zeichnet die Qualität ihrer Volontärsausbildung aus. Das Radiosiegel 2018 ging an Antenne MV (Rostock), Die Neue 107.7 (Stuttgart), Radio 7 (Ulm), Radio Bonn/Rhein-Sieg (Bonn), Radio Ennepe Ruhr (Hagen), Radio Essen, Radio Jade (Wilhelmshaven), Radio Köln, Radio Leverkusen, Radio Lippe (Detmold), Radio Lippe Welle Hamm (Hamm), Radio MK (Iserlohn), Radio Neandertal (Mettmann), Radio RSG (Solingen), Radio RST (Rheine), Radio Ton (Heilbronn) und Radio WMW (Borken).

 

Diese Volontäre haben sich 2018 erfolgreich für ihren Sender um die Auszeichnung mit dem Radiosiegel beworben. (Foto: Andreas Fauth, Medienhaus)

 

Die Initiative Radiosiegel verfolgt das Ziel, die Qualität im Radio zu fördern. Landesmedienanstalten, Verbände, Institutionen und Ausbildungseinrichtungen haben sich zusammengeschlossen, um mit der Aktion Impulse für eine vielfältige professionelle Volontärsausbildung zu setzen. Das Radiosiegel zeichnet Stationen aus, die den Volontären mit ihrem Ausbildungsangebot einen gelungenen Einstieg in das Berufsleben bieten und langfristig damit auch die Qualität des Radiojournalismus sichern.